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Presse

24.05.2012

Neset Ciftci: Erst ausgelacht, heute Platzhirsch


Bad Vilbel (khn). Neset Ciftci ist für seine Idee, Outdoor-Fitnessgeräte nach Deutschland zu bringen erst ausgelacht worden. Heute ist er Marktführer in dem Bereich. Mit seinem in Dortelweil beheimateten Unternehmen liefert er die Geräte in 33 Länder. Die Wz hat ihn besucht.

 

Saysu-Geschäftsführer Neset Ciftci arbeitet in seinem Büro. Auf Extravaganzen verzichtet er dort. (Fotos: khn)


Das Büro von Neset Ciftci ist aufgeräumt. Keine großformatigen Gemälde, keine exklusiven Möbel. Die einzige Extravaganz, die sich der Geschäftsführer des Outdoor-Fitnessgeräte-Herstellers Saysu mit Sitz in Dortelweil gönnt, ist ein nachgebautes Segelschiff. Wer genauer hinguckt, entdeckt auf dem Schreibtisch einen und auf der Fensterbank zwei kleine Bilderrahmen. Zu sehen sind darauf zwei junge blonde Frauen. »Ich bin ein Einwanderer der zweiten Generation«, sagt der gebürtige Türke im Gespräch mit der WZ. »Meine Eltern waren Fabrikarbeiter und haben das Geld für ein Haus gespart.« Er habe andere Wünsche: Seine Töchter – zu sehen auf den Bildern, sie sind 16 und 18 Jahre alt – sollen ein gutes Leben haben. »Und später einmal mein Unternehmen weiterführen.«

Ciftci ist 44 Jahre alt – »68er Jahrgang«, sagt er und lacht. Es soll ein offenes Gespräch werden, betont er: Über seinen Werdegang, über seine Firma und über die Zukunft. »Ich nehme kein Blatt vor den Mund, Sie können dann entscheiden, was Sie damit machen.« Für einen Unternehmer, der Marktführer von Outdoor-Fitnessgeräten ist, eine erstaunliche Aussage. Es ist eine spannende Geschichte, die er zu erzählen hat. Die viel über die Menschen sagt, die gerne als Menschen mit Migrationshintergrund, Einwanderer oder Ausländer bezeichnet werden. Ciftci ist »mittlerweile deutscher Staatsbürger«, sagt er, und man merkt ihm an, dass ihm das wichtig ist.

Aber eins nach dem anderen. Ciftcis Eltern kommen als Arbeiter nach Deutschland. In Fabriken und Betrieben werden händeringend Mitarbeiter gesucht und dank der Anwerbe-Verträge mit anderen Ländern wie Italien oder der Türkei kommen die ersten Gastarbeit
er ins Land. Ciftci zieht mit zwölf Jahren nach Deutschland. Er macht zuerst eine Lehre zum Fliesenleger, arbeitet danach aber recht bald selbstständig, wie er erzählt. »Ich habe immer im Akkord gearbeitet, aber ich hatte meine Freiheiten.« 

In seiner Freizeit tanzt er europaweit als Amateur auf Turnieren – und kommt so herum. Ciftci merkt dabei: Da ist noch mehr, was ich aus meinem Leben machen kann. Ein Jahr nach seiner Heirat entscheidet er sich 2005, ins Gastronomiegewerbe einzusteigen – »wie viele meiner Landsleute«, sagt er. Er bietet in seinem Restaurant in Offenbach Pizza und türkische Spezialitäten an. »Ich wollte keine Standartgerichte verkaufen.« Schnell hat er so eine Stammkundschaft zusammen, unter der sich unter anderem türkische Geschäftsleute finden lassen. Für Ciftci ein Glücksgriff. »Durch meine neuen Kontakte konnte ich türkische Firmen in Deutschland und deutsche Firmen in der Türkei beraten.« 


Das Dortelweiler Unternehmen legt großen Wert darauf, viele Trainingsgeräte im Lager zu haben.

Bei einem Besuch in der Türkei spielt dann außerdem der Zufall eine Rolle. »Zu viel gegessen« habe er, sagt Ciftci und lacht. Deswegen habe ihn ein Geschäftspartner mit an die Strandpromenade genommen und ihm gesagt, da könne Abhilfe geschafft werden. Entlang des Strands stehen zahlreiche Fitnessgeräte, an denen vor allem Familien und Frauen Übungen machen. Ciftci grinst breit, als er erzählt: »Da waren Frauen vom Land, die sich sonst nicht trauen, an die Öffentlichkeit zu gehen, die lachend ausgiebig an den Geräten trainierten.« Ciftci ist sich sicher: Das kann auch in Deutschland funktionieren. Er verkauft sein Restaurant – »da hatte ich sowieso zu wenig Zeit für meine Familie« – und spricht mit Geschäftsleuten und Sportlern. Würden sie ihm raten, diese Geräte nach Deutschland zu bringen? »Sie sagten mir, ich solle es machen. Und ich habe es gemacht.« Obwohl er am Anfang ordentlich Gegenwind bekommt. Auf einer Messe in Nürnberg wird er 2006 von Firmenvertretern, die Spielplätze ausrüsten, ausgelacht. Freunde und Familie haben Angst. Diese Idee werden ihn noch kaputt machen, sagen sie ihm. Ciftci lässt sich von den Bedenken nicht entmutigen. Noch im selben Jahr fällt der Startschuss für Saysu, 2007 gründet er die GmbH. 

 

 

Quelle: Wetterauer Zeitung, 24.05.2012, khn