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Presse

08.10.2014

Öffentliche Fitnessgeräte - Nichts für Kraftprotze


Öffentliche Fitnessgeräte Nichts für Kraftprotze

Trimm-dich-Pfade waren einmal. Jetzt stellt die Stadt Frankfurt in den Parks Geräte auf, an denen Senioren etwas für die Gesundheit tun sollen.

02.06.2014, von MECHTHILD HARTINGFRANKFURT
Foto: © SICK, CORNELIAVergrößern  Spät übt sich: Senioren trainieren im Martin-Luther-King-Park in der Nordweststadt.

Für schwitzende Spitzensportler ist er nicht gedacht, der Fitness-Parcours im Martin-Luther-King-Park in der Nordweststadt. Cross-Trainer, Leg-Press und Schulter-Trainer sind nicht installiert worden, damit Parkbesucher Kalorien abtrainieren oder Muskeln im großen Stil aufbauen können. Die Nutzer sollen stattdessen beweglich bleiben, die Koordination und das Gleichgewicht trainieren. Der Parcours ist eigens für Senioren konzipiert. Es ist der vierte, den es in Frankfurt speziell für die Altersgruppe gibt.

Den Trend zu „Senioren-Spielplätzen“, wie die Anlagen anfangs hießen, gibt es seit etwa zehn Jahren. Die ersten entstanden in Berlin und München. Hintergrund ist der Wunsch vieler Städter, sich fit zu halten und dafür nicht eigens Studios oder Vereine aufzusuchen. In Frankfurt, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen), sei zu beobachten, dass Sport immer mehr in den öffentlichen Grünanlagen stattfinde, gleichgültig, ob es sich um Slacklining, Radfahren, Joggen, Fußballspielen handele oder um Yoga oder Tai-Chi. „Alle wollen in den Park.“

Initiative des Seniorenbeirats

Neu an dieser Entwicklung sind die Vielfalt der Sportarten und die Zahl derer, die sich bewegen wollen. Die Idee, dass Parks auch der Gesundheit und Fitness dienen sollen, gibt es bereits seit der Volksparkbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als etwa Ostpark und Huthpark mit großen Spielwiesen entstanden. Damals sollten die in der schnell wachsenden Stadt oft in engen Wohnungen untergebrachten Arbeiter und ihre Kinder Möglichkeiten haben, sich bewegen zu können.

In den siebziger Jahren kamen dann die Trimm-dich-Pfade auf, die in der Regel in einem weit auseinanderliegenden Parcours im Wald angelegt waren. Dort sollte man sich mit Bocksprüngen über Holzpalisaden und Klimmzügen am Reck fit halten und zwischen den Stationen joggen oder zumindest stramm gehen. Heute wisse man, so heißt es, dass Untrainierte sich durch ungeeignete Übungen und unzureichende Erklärungen oft überlastet hätten.

Die neuen Fitnessanlagen für Ältere hat vor einigen Jahren der Seniorenbeirat der Stadt ins Gespräch gebracht. Schließlich ist in Frankfurt etwa jeder Sechste älter als 65 Jahre. Doch die damalige Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) wollte die Idee nicht einfach aus anderen Städten übernehmen, wo häufig auf Spielplätzen einfach zwei Trainingsgeräte für Alte dazugestellt wurden.

Erste Geräte schon 2011 aufgestellt

Die Stadt beauftragte die Hochschule Geisenheim und die dort für Freiraumplanung zuständige Professorin Grit Hottenträger zu ermitteln, was sich die älteren Frankfurter wünschen, und Erfahrungen anderer Kommunen auszuwerten. Eigene Senioren-Fitnessanlagen seien sinnvoller, damit Junge und Alte nicht miteinander konkurrierten, war eines der Ergebnisse. Die Geräte sollten Ältere nicht überfordern, sondern es ihnen leicht machen, sich zu bewegen. Erklärende Hinweisschilder seien unabdingbar. Und Hottenträger empfahl, die Parcours in attraktiver Lage und gut einsehbar anzulegen, aber nicht so, dass sich die Nutzer wie auf dem Präsentierteller fühlten.

„Wir achten darauf, dass man von den Geräten aus immer einen schönen Blick hat“, sagt Renate Friedrich vom Grünflächenamt, die das Projekt Senioren-Fitnessanlagen betreut. In der Nordweststadt hat man den Blick in den Park. Auf den Geräten in der Rose-Schlösinger-Anlage am Bornheimer Hang, der ersten Frankfurter Senioren-Fitnessanlage, schaut man auf die Eissporthalle und den Festplatz am Ratsweg.

Die Fitnessanlage in der Rose-Schlösinger-Anlage wurde 2011 installiert. In der Zwischenzeit hat die Stadt zwei weitere im Elly-Lucht-Park in Niederrad und im Hafenpark bauen lassen. Parallel hat das Grünflächenamt auch drei Fitness-Parcours speziell für Freizeitsportler angelegt: im Huthpark, im Volkspark Niddatal und im Hafenpark. Dann allerdings mit Geräten, die trainieren und den Bizeps anschwellen lassen sollen.

Ginge es nach den Wünschen der Ortsbeiräte, gäbe es noch viel mehr Fitnessanlagen, insbesondere für Senioren. „Die Wunschliste ist lang“, sagt Friedrich. Eine weitere, größere Anlage ist derzeit in Harheim in Bau. Sie soll für Senioren und Freizeitsportler gleichermaßen zu nutzen sein und liegt in der Nähe des Grüngürtel-Radrundwegs. Doch mit der Fertigstellung der Harheimer Anlage ist das 200.000-Euro-Budget für dieses Jahr ausgeschöpft. Schließlich kostet ein Parcours rund 100.000 Euro - Pflege und Unterhalt nicht mitgerechnet.

Quelle: FAZ-Net v. 5.6.2014